Supermarktanimosität III

März 3, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Teigkollektiv

Maybe this is the collective’s new strategy –
they don’t assimilate any more,
they just show up and look helpless!
(B’Elanna Torres)

*

Meine Kollegin behauptet immer ich erwarte zuviel und ich solle es nicht so persönlich nehmen, wenn man mich nicht behandelt wie die Königin von Saba. Ich nehme es auch keineswegs persönlich, dass man mich in der Bäckerei meiner Wahl (schon wieder die Lindwurmstrasse) nach mehr als drei Jahren täglichen Einkaufs nicht erkennt. Kein bisschen. Die Möglichkeit, dass ich jeder einzelnen der mittlerweile zwölf oder dreizehn Verkäuferin einfach unsympathisch bin, sollte ich dennoch nicht ausschließen. Mir falsche Dinge in die Tüte zu packen, könnte demnach Absicht sein. Pure Bosheit.Ich vermute aber eher, dass sie mich so gedankenleer anstarren und niemals mehr mein verschlafenes Gesicht mit einer Breze mit wenig Salz verknüpfen werden, weil sie assimiliert wurden. Von einer fremden Macht, wenn nicht sogar von zweien. Alternativen wären schlechtes Betriebsklima oder der schlechte Abzug giftiger Laugendämpfe.

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Supermarktanimosität II

März 3, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Bio-Autismus

„…Bananen. Drei Stück. Du kannst den Korb nehmen, der im Flur steht.“

Wenn ich mit doppelt gebrochenem Wadenbein danieder läge, wäre ich auch dankbar, wenn eine Freundin für mich einkaufen ginge. Nur: mussten es unbedingt dieser stadtbekannte Hardcore-Bio-Laden und ein Weidenkorb sein?
Britta reichte mir den Einkaufszettel, den sie mir zur Sicherheit nochmal vorgelesen hatte – wer wüsste schon, welche Assoziationen ich im Laden bei „unreife Banane“ bekommen würde.

„Lass Dich nicht erwischen, dass Du irgendwas davon im Obstladen holst! Wenn Du was nicht findest, frag Sissi, die Inhaberin. Die ist etwas schrill, aber kompetent“, lautete Brittas letzte Anordnung.

Ein geflochtener Weidenkorb, aus dem frech das Suppengrün wippt, vermittelt mir immer den Eindruck von Reife und einem geordneten, strukturierten Leben. In meinen Weidenkorb, den mir meine strukturierte Mutter vor Urzeiten geschenkt hatte, hatte sofort meine Katze gepinkelt. Ein geordnetes Leben kam ihr nicht ins Haus.

Ich warf einen Blick auf den Einkaufszettel, mit den mir fremden Wörtern und fragte mich, woher Britta wusste, was ‚Quinoa‘ ist und vor allem, was man damit anstellte.

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Supermarktanimosität I

März 3, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Kartoffelinnovation

Ich zahle meist mit EC-Karte. Im Supermarkt, beim Kaffeehändler meines Vertrauens, im Schuhladen. Und immer öfter werde ich nach dem Bezahlen mit meinem Namen angesprochen.

“Vielen Dank, Frau Doe.”

Beim ersten Mal hab ich wohl ein dämliches Gesicht gemacht, bis mir jemand die Kerze im Kopf anzündete: die Kassiererin hatte den Namen von meiner EC-Karte abgelesen. Und das passt mir nicht. Gar nicht.

Im Supermarkt könnte man mich als Stoffel bezeichnen. Finde Lebensmittel einkaufen langweilig und ermüdend und wünsche, den Laden auf schnellstem Wege wieder zu verlassen. Ich will auch nicht wie ein König behandelt werden, sondern wie eine Kundin, die das Recht darauf hat – nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag – stoffelig sein zu dürfen. Wenn man aber ausnehmend freundlich zu mir ist, dann muss ich schließlich auch mehr als das Mindestmaß an Kommunikation liefern. Es reicht nicht mehr, sich um die schönste Erdbeere zu streiten, nein:
man muss lächeln, vielleicht dankend nicken. ‘Danke’ und ‘Ja, Ihnen auch ein schönes Wochenende’ sagen.

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Wo bin ich?

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